Aktiv erleben
24.01.2022
Gabriele Grießenböck

Schon mal Schneeschuhwandern ausprobiert?

Wenig Aufwand mit hohem Suchfaktor: Schneeschuhwandern ist das Naturerlebnis für jedermann.

Rundum Stille. Nur das Knirschen des Schnees, das Klappern der Stöcke und der eigene Atem ist zu hören. Schritt für Schritt erobert man sich seinen Weg durch tiefverschneite Winterlandschaften. Abseits der Skipisten ziehen Schneeschuhwanderer ihre eigenen „Spuren“ durch die Region. Der Reiz liegt im grenzenlosen Gehen durch unverspurtes Gelände. Ein Vorteil ist, dass man keine besonderen Vorkenntnisse, und auch keinen eigenen Kurs machen braucht. 


Man schnallt seine Schuhe im Netzrahmen fest, nimmt Skistöcke in die Hand und los geht´s. Wer die Schnee-Teller einmal an den Füßen hatte, der kann die Begeisterung und Faszination, die von dieser Art der Fortbewegung ausgeht, begreifen. Im Alpbachtal werden geführte Touren mit erfahrenen Bergwanderführern angeboten. Kostenlos aber nicht umsonst, entdecken Gäste der Tourismusregion unberührte Hochtäler und zauberhafte Tiefschneelandschaften. 


In Brandenberg stapft man an jedem Mittwoch mit der Bergwanderführerin Johanna Sappl durch die Winterlandschaft. Sie verrät, wie man sich vorbereitet, worauf man beim Schneeschuhwandern achten sollte und was auf keiner Tour fehlen darf…  
 

Was macht den Reiz am Wandern mit Schneeschuhen aus?

Johanna Sappl: Der Reiz einer Schneeschuhwanderung liegt meiner Meinung nach darin, dass man tief verschneite Landschaften hautnah erleben kann.
Dabei können auch Nichtskifahrer im Winter die landschaftlichen Hochgenüsse erfahren. Wo man mit Winterstiefeln versinkt und an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken ist, dort kommt man mit den Schneeschuhen problemlos weiter. Eine faszinierende Welt aus Licht, Schnee und Eis eröffnet sich dem Schneeschuhwanderer abseits präparierter Wege. Ich persönlich genieße es aktiv zu sein und doch die absolute Stille, Ruhe und die Kraft der Natur zu erleben.

Ich persönlich genieße es aktiv zu sein und doch die absolute Stille, Ruhe und die Kraft der Natur zu erleben.
Julia Sappl

Kann jeder schneeschuhwandern, wie fit muss man dafür sein?

Johanna Sappl: Schneeschuhwandern kann jeder, Kinder wie Senioren. Die Länge und Schwierigkeit kann jeder an die persönliche körperliche Fitness anpassen. 

Ein wichtiger Punkt beim Schneeschuhwandern ist, dass man auch Mut zum Umkehren hat. Man sollte auf seinen eigenen Körper hören und aufhören, wenn man müde wird und sich nicht mehr sicher fühlt. 
Johanna Sappl

Wer auf eigene Gefahr seiner Wege gehen möchte, sollte sich an wichtige Regeln halten. Welche?

Johanna Sappl: Vor der Tour sollte man im Hotel die geplante Route und die Zeit der Rückkehr bekannt geben. Für ein tolles Erlebnis im Schnee ist eine angepasste Routenplanung an das eigene Können das A und O. Die Gehzeit sollte der gesunden Einschätzung seiner eigenen Kräfte angepasst sein. Wer das Gelände nicht gut kennt, der bleibt besser auf den markierten Routen. Wer schon mehr Routine hat und alleine seiner Wege geht, der sollte auf die Natur und die Wildtieren in den Ruhegebieten Rücksicht nehmen.

Lärm sollte man bitte vermeiden. Ich empfehle hier, dass man zwischen 10 und 16 Uhr unterwegs ist, um die Lebensräume der Wildtiere nicht zu stören. Und dass man mit Schneeschuhen nicht durch Jungwälder latscht, versteht sich von selbst. Für Wanderungen oberhalb der Baumgrenze empfehle ich jedem, den Lawinenlagebericht genau zu studieren und auch die Lawinenausrüstung mitzuführen.

Ein wichtiger Punkt beim Schneeschuhwandern ist, dass man auch Mut zum Umkehren hat. Man sollte auf seinen eigenen Körper hören und aufhören, wenn man müde wird und sich nicht mehr sicher fühlt. 

Kann man das Schneeschuhwandern mit dem Wandern im Sommer vergleichen?

Johanna Sappl: Im Winter muss man sich immer wieder auf neue Schneeverhältnisse - also eisige, weiche, harschige, pulvrige Wege – einstellen. Das Spuren, man sinkt ja doch unterschiedlich tief ein, verlangt ungleich mehr Kraft und Trittsicherheit als man bei der sommerlichen Wanderung braucht. Daher muss auch die Routenwahl auf die Kondition abgestimmt werden. Eine Wanderung die man im Sommer spielend meistert, kann mit Schneeschuhen zu einer äußerst kraftraubenden Angelegenheit werden.

Ich genieße die Unberührtheit der Natur und die glitzernden Schneekristalle.
Julia Sappl

Und was kann man tun bei einem Muskelkater ?

Johanna Sappl: Wenn sich der Muskelkater schon bemerkbar macht, hilft ein entspannender Saunabesuch. Ein heißes Bad mit Arnika, Eukalyptus, Fichtennadeln oder Rosmarin regt ebenfalls die Durchblutung an und entspannt die Muskulatur. Bei Krämpfen aber auch bei Muskelkater hilft Magnesium, das man in der Apotheke besorgen kann. Während der Ausheilungsphase sollte man erneute große Belastungen vermeiden. Lockeres Spazierengehen, Schwimmen und ein wenig Gymnastik helfen großartig bei der der Regeneration.
Aber wer sich selbst gut einschätzen kann, der wird vom Schneeschuhwandern auch keinen Muskelkater bekommen.

Tourentipp von Johanna Sappl

Ich genieße die Unberührtheit der Natur und die glitzernden Schneekristalle, indem ich meine Tour kurz vor dem ehemaligen Gasthof Kink starte oder nach Schneelage das letzte Stück zum Parkplatz Richtung Jocher Alm/Kienberg parke.

Von dort geht es über die Forststraße oder den Fußweg zur Jocheralm. Oben angekommen genießt man die herrliche Aussicht über die Kitzbühler Alpen und die umliegenden Berge. Wer noch genug Kondition und Ausdauer hat, der kann sich aufmachen zum Gipfel „Kienberg“.

Anschließend geht es zurück, querfeldein oder über den Forstweg.
Dauer der Wanderung (ohne Gipfel) ca. 1,5 Std (je nach Schneelage).

Zusätzliche Infos:

Wer kleinere Touren im lawinensicheren Gelände gehen möchte, sollte an folgende Ausrüstung denken:

  • Schneeschuhe (hier gibt es mittlerweile eine breite Bandbreite von unterschiedlichen Herstellern)
  • Feste und warme, knöchelhohe Schuhe (müssen nicht unbedingt Winterschuhe sein)
  • Wasserdichte Hose bzw. wasserabweisende Skitourenhose oder wärmere Wanderhose
  • Wie für jede andere Wintersportart ist es ratsam bei der Bekleidung das Zwiebelprinzip mit mehreren dünnen Schichten, am besten aus Funktionsmaterialien, zu verwenden.
  • Handschuhe, als Kälteschutz und vorbeugend für Verletzungen durch evtl. Stürze
  • Mütze/Stirnband
  • Sonnenbrille, Sonnenschutz
  • Stöcke sind ein absolutes Muss und dienen zum Abstützen.
    Es eigenen sich Teleskopstöcke um die Länge anzupassen mit größeren Tellern um das Einsinken im Schnee zu verhindern. Sommerwanderstöcke können natürlich auch verwendet werden.
  • Empfehlenswert ist ein kleiner Rucksack. So kann man warme Getränke, Marschverpflegung und Reservebekleidung mitnehmen.
  • Bergfreunde, die sich im freien Gelände oberhalb der Baumgrenze (1.800 hm) bewegen, sollten sich mit Wintergefahren auskennen und die entsprechende Ausrüstung mitführen. Dazu zählen: LVS-Gerät, Lawinenschaufel, Sonde und gegebenenfalls auch einen Lawinenairbag.
    Lawinenkenntnisse und Beachtung der lokalen Situation sind dafür dringend erforderlich.

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