Kultur & Brauchtum
17.10.2019
Gabriele Grießenböck

Leonhardritt in Kundl

Ein ganz besonderer Brauch hoch zu Ross

Der Kundler Leonhardiritt blickt auf eine lange Tradition zurück

In Kundl im Unterinntal wird ein ganz besonderer Brauch gepflegt: der Leonhardiritt zu Ehren des Heiligen Leonhard von Limoges, dem Schutzpatron der Tiere, statt.

Der Kundler Leonhardiritt blickt auf eine lange Tradition zurück und wird als Brauch schon seit den 60er Jahren durchgeführt. Jedes Jahr pilgern unzählige Wallfahrer und Pferdefreunde aus den verschiedensten Regionen Tirols nach Kundl, um gemeinsam beim Leonhardiritt ihrem Schutzpatron zu gedenken. Dieser alte Brauch ist für viele Bauern und Pferdebesitzer einer der höchsten Feiertage im Jahresablauf. In Kundl wurde der Brauch 1963 wiederbelebt.

Lange Tradition mit 100 Reitern

Einer der höchsten bäuerlichen Festtage hoch zu Ross ist der Leonhardiritt in Kundl

Jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Patronatstag, dem 6. November, findet traditionsgemäß der Ritt in Kundl statt.

Vom Ortszentrum Kundl aus setzt sich die Reiterprozession in Richtung Leonhardskirche in Bewegung. Die Reiter – es sind meistens um die 100 Reiter – haben dabei ihre schönste Tracht angezogen und ihre Pferde schön geschmückt. Auch Bauern und Vereine sind dabei, um anschließend die Heilige Messe bei der Wallfahrtskirche zu feiern.    

Zur Geschichte...

Der Heilige Leonhard lebte im 6. Jahrhundert im fränkischen Reich der Merowinger

Ursprünglich galt er als Schutzheiliger der Gefangenen, in Tirol und Bayern erfuhr Sankt Leonhard aber ab dem 11. Jahrhundert auch als Schutzpatron der landwirtschaftlichen Nutztiere und v.a. der Pferde ganz besondere Verehrung. Man findet etliche Kirchen, die ihm geweiht sind, größere Viehseuchen im Mittelalter machten ihn noch populärer.

In Bayern nennt man den Heiligen Leonhard wegen seiner großen Beliebtheit im Volksmund sogar den „Bayerischen Herrgott“ oder „Bauernherrgott“. Hier kam auch der Brauch des Leonhardirittes bzw. der Leonhardifahrt auf, einer Prozession oder Wallfahrt mit anschließender Tiersegnung. Der älteste urkundlich belegte Leonhardiritt fand 1442 in Kreuth am Tegernsee statt.

Feldmesse und Leonardifest in Kundl

Der Leonhardritt heute

In Kundl treffen einander die Reiter und Prozessionsteilnehmer um 12:15 Uhr am Dorfplatz. Von hier geht es in den Ortsteil St. Leonhard, der rund 2 km westlich von Kundl liegt. Die dortige Wallfahrtskirche ist ein Meisterwerk der Spätgotik, und der Sage nach war es früher Brauch, dass die Bauern des Unterinntales am Silvestertag von überall her auf ihren Rossen zur Kirche St. Leonhard auf der Wiese kamen, dreimal um die Kirche ritten und ein Opfer brachten, ehe sie wieder heimkehrten.

Heute wird der Leonhardiritt hier mit einer Feldmesse und der Pferdesegnung beschlossen. Natürlich ist nach den Zeremonien auch bestens für das leibliche Wohl gesorgt, denn zum Leonhardiritt gehört traditionell auch ein Leonhardifest. Der Kundler Leonhardiritt wird in dieser Form übrigens seit den 1960er-Jahren durchgeführt. Anlass war damals der große Geldbedarf für die dringend nötige Restaurierung der Wallfahrtskirche. Durch die Prozession und den Verkauf von Andenken, Leonhardspfennigen, Leonhardstalern und –tafeln konnten die Kosten für die Renovierung großteils abgedeckt werden, und so wird dieser schöne Brauch bis heute alljährlich gefeiert.

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