Kultur & Brauchtum
28.08.2020
Gabriele Grießenböck

Trachtenmode - Ein Stück Heimat am Leib

Trachtenmode ist wieder modern

Seit mehr als vierzig Jahren schneidert Roswitha Arzberger originale Tiroler Festtagsgewänder

Sich rustikal ländlich zu kleiden ist wieder total angesagt. Davon kann man sich etwa auf dem Münchner Oktoberfest überzeugen. Wobei die dort zur Schau gestellten Auswüchse sehr wenig mit den originalen Trachten der verschiedensten Talschaften zu tun haben. Wer also sehen will, wie echte Tiroler Heimatmode aussieht, der sollte bei der gelernten Schneidermeisterin Roswitha Arzberger in Brandenberg vorbeischauen. Das schneidern von Trachten hat in der Familie Arzberger Tradition. Seit 1897 wird das Wissen um diese Kunst von Generation zu Generation weitergegeben. „Dass das so bleibt ist eher unwahrscheinlich“, meint Roswitha Arzberger schmunzelnd, denn sie hat drei Söhne. Unveränderlich hingegen ist die Schönheit der Gewänder, die Alt und Jung tragen können, denn eine bei Roswitha Arzberger maßgeschneiderte Tracht steht jedem.
 

Zur Tracht gehören die Haare aufgeräumt. Natürlich muss man eine hochgesteckte Frisur tragen. Offene Haare sind ein echter Fauxpas.
Roswitha Arzberger

Ein Stück Heimat am Leib

Jede Talschaft hat seine eigene Tracht

Wer sich für das Tragen einer Tracht entscheidet, der möchte modisch seine Verbundenheit mit der Gegend, in der er wohnt, zum Ausdruck bringen. Natürlich hat jede Talschaft seine eigene Tracht. Jene der Alpbachtaler ist beispielsweise für ihr rot-weißes Blumenmuster am Rückenteil bekannt. Trachten wurden von den Talbewohnern nur an Feier- und Festtagen getragen. Das Dirndl war für die Damen die Arbeits- und Alltagskleidung.

Um ein kunstvoll besticktes und maßgefertigtes Festtagsgewand zu schneidern, braucht Roswitha ungefähr zwei Wochen. Kundinnen sollten aber ohnedies viel Geduld aufbringen, denn es gibt Wartelisten von bis zu einem Jahr. Wer also einen Termin ergattern konnte, der muss zwei- oder dreimal zur Anprobe kommen. Zunächst wird bis ins kleinste Detail besprochen, wie das Schmuckstück aussehen soll. Dann macht sich Roswitha auf die Suche nach den richtigen Stoffen. Der Auswahl folgt der Zuschnitt. Sind die Einzelteile fertig genäht, werden sie im Rahmen der ersten Anprobe angelegt und fixiert. Alles sollte möglichst straff und faltenfrei sitzen. Dann wird wieder genäht, bis die Nadeln glühen. Bei der zweiten Anprobe erfolgen die kleineren Anpassungen. Sollte dann noch immer etwas nicht zu hundert Prozent sitzen, braucht es weitere Anproben.

Roswitha ist eine leidenschaftliche Perfektionistin. „Ich möchte mit meiner Arbeit genau so zufrieden sein wie die Kunden.“ Und wie es scheint, sind die Damen mit Roswithas Arbeit mehr als zufrieden, denn die Auftragsbücher sind voll.

Apropos Perfektion...

Schönheit ist etwas für die Ewigkeit

Das Gewand sollte immer komplett getragen werden. Zudem benötigt man die passenden Schuhe und Strümpfe. Natürlich dürfen auch der richtige Unterrock, der Beutel und die Talschaftsjacke nicht fehlen. „Zur Tracht gehören die Haare aufgeräumt.“, sagt Roswitha. Natürlich müsse man eine hochgesteckte Frisur tragen. Offene Haare seien ein echter Fauxpas. Wer Fehlinformationen vermeiden möchte, der sei daran erinnert, dass die Schürze richtig gebunden werden muss. Trägt man die Masche links, ist man ledig. Schnürt man sie rechts, ist man verheiratet.
 

"Kassettl" kommt von Korsett

Wer etwas wirklich Außergewöhnliches in seinem Kleiderschrank haben möchte, der kann bei Roswitha Arzberger ein Kassettl bestellen. Es handelt sich dabei um ein ganz in Schwarz gehaltenes Festtagsgewand, das bis heute vor allem im Tiroler Unterland weit verbreitet ist. Ungewöhnlich sind der eckige Ausschnitt sowie die aufwändigen Stickereien der Ausschnittblende und auf der Unterseite des Hutes. Der Kassettl-Hut wird mit breiten Samtbändern, deren Enden über den Rücken fallen, am Hinterkopf festgebunden. Natürlich darf der spezielle Schmuck, zu dem „Kropfkette“, Ohrringe, Haarspange und Uhrkette gehören, nicht fehlen. Das Kassettl wird fast ausschließlich von verheirateten Frauen getragen. Ausgeführt wird diese wahrlich edle Robe an hohen Feiertagen sowie bei Taufen, Firmungen oder Trauungen. Und weil der schönste Tag im Leben Freude bereiten soll, trägt die Braut dann ausnahmsweise eine helle Schürze zum Kassettl.

Kontakt:

Wer Lust auf eine echte Tiroler Tracht bekommen hat, der kann sich jederzeit an Roswitha Arzberger wenden. Wenngleich man, wie bereits erwähnt, Zeit haben sollte. Schönheit ist eben etwas für die Ewigkeit. 

Trachtenschneiderin Roswitha Arzberger
Brandenberg 89d
A-6234 Brandenberg
+43 5331 5150

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