Tirol Pur
15.12.2019
Gabriele Grießenböck

Wer klopfet an?

Singende boten ziehen von Haus zu Haus und verbreiten besinnlichen Weihnachtszauber...

Das Anklöpfeln ist im Tiroler Unterland ein altes und uraltes, gepflegtes Brauchtum. Bereits im 15. Jahrhundert zogen in der Adventszeit musizierende Hirten durch die verschneiten Dörfer. Wir haben uns in Reith im Alpbachtal auf die Suche nach den singenden Boten bemacht gemacht und wurden fündig.

Auch hier stimmen die Anklöpfler mit ihren Liedern auf das nahe Weihnachtsfest ein. Wenn Andreas Vorhofer die alte Laterne und seinen Hirtenstock aus dem Keller holt, die warme Felljacke überzieht und die Stimmbänder lockert, dann hat für ihn wieder jene Zeit begonnen, in der er mit seinen Anklöpfler Kollegen durch das Dorf zieht. Die Reither Klöpfler sind eine von vielen Gruppen im Tiroler Unterland, die den alten Brauch ausüben. An den sogenannten „Klöpflernächten“, den letzten drei Donnerstagen vor Weihnachten, ziehen sie traditionell von Haus zu Haus. Die Reither Anklöpfler statten auch an den Freitagen und Samstagen ihre Besuche ab, schließlich freut sich jede Familie über den singenden Besuch! „Das hat auch praktische Gründe, denn neben dem Vollzeitjob bieten sich die Wochenenden einfach besser an“, erzählt Andreas Vorhofer. Das Anklöpfeln zählt außerdem zum Unterinntaler Kulturerbe.

Eine reine Männersache? Nein, unter den singenden Hirten befinden sich immer öfter auch Frauen und Mädchen. „Das ist das schöne an alten Traditionen, sie wachsen mit den Generationen“, so Vorhofer. 

Das ist das schöne an alten Traditionen, sie wachsen mit den Generationen.
Andreas Vorhofer, Anklöpfler

Gern gesehene Gäste in den Stuben und Wohnzimmern der Dorfbewohner

Der Brauch der Anklöpfler wird auch in Reith i.A. vom Kirchen- und Heimatchor hochgehalten. Mitsingen darf nicht jeder: „Weil ohne schöne Stimme braucht keiner mitgehen“, lacht Andreas. Die Anklöpflergruppen singen und reimen in Mundart, künden mit altüberlieferten Liedern und Eigenkompositionen von der Ankunft des Heilands. Begleitet werden die Lieder mit Gitarre oder Ziehharmonika. 

Heute sind die Anklöpfler gern gesehene Gäste in den Häusern der Dorfbewohner. Das war aber nicht immer so: Die herumziehenden Klöpfler waren früher vor allem arme, oft auch kranke Leute. „Verkleidete Gestalten, Bettler und Kinder gingen zu den Häusern und brachten Segensprüche und Glückwünsche dar. Dafür erhielten sie Almosen und Essen“, weiß Thomas Bertagnolli, Historiker und wissenschaftlicher Leiter des Höfemuseums. Mit den Jahren vermischte sich das Anklöpfeln mit dem Brauch der Herbergssuche. „Deshalb vereint das Anklöpfeln heute den Gesang mit einer Art zeremonieller Aufführung der Hirten“, erklärt Bertagnolli.

Zum Dank erhalten die Anklöpfler auch heute noch Getränke, Spenden oder eine kleine Jause. So gemütlich das klingen mag, die Anklöpfler können nie lange verweilen. Denn eine Gruppe macht pro Abend bis zu 20 Hausbesuche - zu Fuß versteht sich.
 

Beim Rattenberger Advent ziehen die Anklöpfler durch die Stadt...

Wer die besinnlichen Klänge und Gedichte der Anklöpfler in der Vorweihnachtszeit erleben will, der hat an den Adventsonntagen in Rattenberg die Möglichkeit dazu. Im Rahmen des beliebten Rattenberger Advent  ziehen die verschiedenen Klöpflergruppen durch die Stadt. Darunter befinden sich die Brandenberger, Reither und Rattenberger Anklöpfler, die im historischen Ambiente der mittelalterlichen Stadt auf das nahe Weihnachtsfest einstimmen. 

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