"Geiz ist Geil" - Mentalität der Menschen | © Martin Reiter
Tirol Pur
31.10.2019
Gabriele Grießenböck

Wo tanzt zu Allerheiligen der Tod?

Über die Jahrhunderte hinweg haben Menschen versucht, dem Tod mit Ironie seine Härte zu nehmen.

Museumsfriedhof Kramsach | © Alpbachtal Seenland Tourismus | Johannes Plattner

Zu Allerheiligen tanzt der Tod in Kramsach...

Ab sofort erleben Besucher ein neues Highlight im Museumsfriedhof in Kramsach. Rund 10 moderne Totentanztafeln bilden den Zyklus „Das Letzte“. Mit einer Länge von 20 Metern und einer Fläche von 35 Quadratmetern ist er somit weltweit der monumentalste. Wir haben uns vor Ort ein Bild davon gemacht und verraten die Hintergründe zu diesem interessanten Projekt.

Über den Tod schmunzeln

Der Museumsfriedhof in Kramsach ist vor allem deshalb so beliebt, weil hier ein wenig über den Tod geschmunzelt werden darf. Dass am "Lustigen Friedhof" - wie er oft genannt wird - gar keine Toten begraben sind, könnte ein Grund dafür sein.
Steinmetzmeister und Sagzahnschmied Hans Guggenberger hat dort über 100 Grabkreuze mit heiteren und skurrilen Inschriften gesammelt.
Hier schweigt Johanna Vogelsang, sie zwitscherte ihr Leben lang", sehen wir auf einem der vielen Täfelchen und können uns ein Schmunzeln wahrhaftig nicht verkneifen. Wir erfahren, dass die Menschen über die Jahrhunderte hinweg versucht haben, dem Tod mit Ironie seine Härte zu nehmen.

Der Tanz und der Tod werden auf den Bildtafeln, die gemeinsam einen Zyklus bilden, in Verbindung gesetzt.

"Geiz ist Geil" - Mentalität der Menschen | © Martin Reiter

Aber zurück zum Totentanz:

Neben der ironischen Darstellung des Todes, wurden damals auch Dinge erschaffen, um an die Vergänglichkeit alles Lebens zu erinnern. So sind im Spätmittelalter sogenannte Totentänze entstanden. Im deutschsprachigen Raum wurden sie auch Makabertänze genannt, angelehnt an den französischen Begriff (Danse macabre). Der Tanz und der Tod werden auf den Bildtafeln, die gemeinsam einen Zyklus bilden, in Verbindung gesetzt.

Seit Langem hegten Hans Guggenberger und Martin Reiter (Vorstände des Vereins des Museumsfriedhof) den Wunsch, eine zeitgemäße Totentanzdarstellung zu zeigen. Für das Projekt hat Bildhauer Markus Thurner 10 moderne Totentanztafeln geschaffen. Bei den Gesichtern handelt es sich um die entfesselte Physiognomie. Der Text, der das unabwendbare Schicksal prophezeit, wird dadurch bildlich verdeutlicht.

„Wie man sieht, kommt der Tod zum Tanz. Und er beugt sich über einen Schlafenden. Heimtückisch taucht er auf. Und er greift nach dem ahnungslosen Menschen. Es ist ein MEMENTO Mori.“
Markus Thurner, Künstler und Bildhauer

Eine Aufforderung, das Geschenk des Lebens zu schätzen -  dies ist der eigentliche Grundgedanke der Totentänze.

Der Totentanzzyklus mit gotischer Grablaterne im Arkadenhof des Museumsfriedhofs Tirol.  | © Martin Reiter

Wie in Dantes Göttlicher Komödie scheinen auch hier die Peiniger gepeinigt von den eigenen Taten. Dazu sagt der Bildhauer und Künstler Markus Thurner: "Wie man sieht, kommt der Tod zum Tanz. Und er beugt sich über einen Schlafenden. Heimtückisch taucht er auf. Und er greift nach dem ahnungslosen Menschen. Es ist ein MEMENTO Mori", also um ein "gedenke des Todes". 

Mit anderen Worten: Der Mensch sollte sich der Allgegenwart des Todes bewusst sein. Er sollte also die Zeit des Lebens nützen, um ein guter Mensch zu sein. So betrachtet sollen diese Kunstwerke den Menschen nicht negativ an die Endlichkeit erinnern. Es ist vielmehr die Aufforderung, das Geschenk des Lebens zu schätzen. Dies ist der eigentliche Grundgedanke der Totentänze.

Ein Beleg, dass der Tod auch immer in Verbindung mit Ironie betrachtet werden sollte....

Der weltweit monumentalste und modernste Totentanz

Mit einer Länge von 20m und einer Fläche von 35 qm ist der Totentanz „Das Letzte“ der weltweit monumentalste und modernste. Entworfen von Markus Thurner, fertigte Hans Guggenberger die Entwürfe in Cortenstahl aus. Der Text stammt von dem bekannten deutschen Kabarettisten Wilfried Schmickler.

Ein weiterer Beleg, dass der Tod auch immer in Verbindung mit Ironie betrachtet werden sollte - und das weiß man in Kramsach schon länger...

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann das Freilichtmuseum das ganze Jahr bei freiem Eintritt besichtigen. Jedes Jahr erfreuen sich etwa 250.000 Besucher an den Scherzen und den Tänzen von Gevatter Tod. Mit dem Totentanz ist der Museumsfriedhof nun um eine weltweit einzigartige Sehenswürdigkeit reicher.

Weitere Informationen und Bilder finden Sie hier!

Kontakt:

Sagzahnschmiede Guggenberger
Hagau 82


6233 Kramsach
Tel.: +43 5337 62447 
Email: office@museumsfriedhof.info
Website: www.museumsfriedhof.info 

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