Kultur & Brauchtum
18.05.2022
Theresa Eder

Tirolerisch für Anfänger - Teil 2

Griaßdi & Guten Tag!

Dass der Dialekt in Tirol eine ganz eigene Sache ist, das haben wir ja das letzte Mal in Tirolerisch für Anfänger - Teil 1 schon geklärt. Jedes Tal hat seine Besonderheiten und die Mundart hat so manche Tücken auf Lager, die es den „Zuagroasten“, die Touristen, wie sie in Tirol liebevoll genannt werden, nicht immer ganz einfach machen, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten. 

Die Region Alpbachtal besteht insgesamt aus 10 Orten. Bereits im Nachbarort verwendet man teilweise andere Wörter und Ausdrücke. Am besten werden sich die „Zuagroasten“ wahrscheinlich noch mit den Einheimischen in Rattenberg verstehen. Rattenberg ist zwar die kleinste Stadt Österreichs, aber die Stadt war seit jeher aufgrund ihrer zentralen Lage als Verkehrsknotenpunkt auf der Achse zwischen Innsbruck und Salzburg Treffpunkt von Menschen verschiedenster Herkunft.
 

Sprachlich müssen die meisten Touristen bei ihrem ersten Besuch in Alpbach wahrscheinlich ganz genau hinhören. Dort trifft man nämlich auf Wörter, die man sonst fast nirgendswo hört.

Im Laufe der Zeit hat sich der Dialekt in Alpbach kaum verändert. Der Alpbacher Dialekt klingt weich und ist zugleich konservativ. Die Alpbacher selber, bezeichnen sich übrigens als „Oibeckarinna“ bzw. „Oibecka“. Wer also „Alpbacher“ sagt, kann demnach kein echter Alpbacher sein.
Aufgrund der langen geografischen Abgeschlossenheit des Alpbachtales (erst in den 1920er Jahren wurde die erste Straße ins Alpbachtal gebaut) hat sich der Dialekt seine Besonderheiten bis heute bewahrt.

Wer also „Alpbacher“ sagt, kann demnach kein echter Alpbacher sein.

Ein paar Vokabeln für das Überleben im Alpbachtal

Und einige dieser Besonderheiten möchten wir Ihnen heute vorstellen, damit Sie für Ihren nächsten Urlaub im Alpbachtal schon etwas üben können.

Beginnen wir mit ein paar allgemeinen Ausdrücken.
In Alpbach ist man, wie auch in vielen anderen Orten Tirols, generell schnell beim „du“. Die Begrüßung in Alpbach unterscheidet sich noch nicht wirklich vom Rest Tirols. Auch hier wird man mit einem freundlichen „Griaßdi“ oder „Griaßench“ willkommen geheißen. Zur Verabschiedung hört man meist ein „Pfiatdi“ oder „Pfiatench“.

Der geübte Tirol-Urlauber weiß natürlich, dass die Begrüßung bereits entscheidend ist, um nicht sofort als „Zuagroaster“ enttarnt zu werden. Verwechselt der Gesprächspartner nämlich „Griaßdi“ und „Griaßench“, ist das meist ein klares Anzeichen, dass man es nicht mit einem Einheimischen zu tun hat. 

Daher nochmals zur Erklärung: „Griaßdi“ und „Pfiatdi“ verwendet man, wenn man mit einer Person spricht, „Griaßench“ und „Pfiatench“ hingegen, wenn der Gruß mehreren Personen gilt. 

 

Auch bei den Wochentagen wird es in Alpbach etwas ausgefallener. Wo der Montag und das Wochenende noch verschont bleiben, sagt man in Alpbach zu Dienstag – „Erchtog“, zu Mittwoch – „Mittog“ und zu Donnerstag – „Pfinstog“. Der Frühling wird zu „Langs“ und der Herbst zu „Heargscht“
Natürlich sind auch die Zahlen vom Dialekt nicht ausgenommen. Aus eins, zwei, drei wird in Alpbach schnell „oans“, „zwoa“, „troi“, das ist aber für viele noch ganz gut verständlich. Bei der Zahl elf wird es dann schon etwas komplizierter, hier sagt man nämlich „oalofi“

Damit man in Alpbach auch nicht hungern muss, sollte man noch die Begriffe „vormasen“, „neunern“, „marenden“ und „nochtä essen“ kennen. Diese bedeuten so viel, wie frühstücken, Brotzeit am Vormittag essen, Kaffee & Kuchen am Nachmittag und zu Abend essen. Frisch gebackenes „Broat“ - Brot und „Pitschä“ – Semmeln, gibt es im Alpbachtal bei jedem „Bäck“ – Bäcker. Das Honigbrot wird zum „Hunkbroat“ und die Butter zum „Buddan“.

Im Tirol Urlaub steht für die meisten auch der Klassiker schlechthin, dass Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und Preiselbeermarmelade, auf dem Speiseplan. Die Einheimischen bestellen hier im „Wiaschtshaus“  - dem Restaurant, ein „Schnitzel mit Easchtöpfelsalat und Glan“. Zum Nachtisch gibt es dann noch ein „Oarmuas“– also einen Kaiserschmarrn oder „Nudln mit Figgn“. Dass es sich hier um in Fett gebackene Krapfen handelt, die mit Kompott seviert werden (wichtig: Die Früchte müssen in Spalten geschnitten sein!), könnte das ein oder andere Mal schon zu Missverständnissen geführt haben. 

Aber die kleinen lustigen Missverständnisse sind es doch, die das Leben und die Beziehung zwischen Tirolern und den „Zuagroasten“ ausmacht. Auch wenn, man die Alpbacher nicht immer beim ersten Mal versteht, so eilt ihnen ihre Gastfreundschaft voraus und sie haben stets sie ein offenes „Uawaschl“ (Ohr) für ihre Gäste.

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